Die heuchlerische Moral

Das Kollektiv kann mehr leisten als der Einzelne. Die Natur hat daher kollektive Organismen hervorgebracht. Wesentliches Merkmale sind die Arbeits- und Aufgabenteilung, sowie die entsprechenden (sozialen) Verhaltensweisen. Über die Bedeutung der Kleingruppe für den Sammler und Jäger Mensch wurde schon auf der Philosophie- Seite (Thema gut oder böse) geschrieben.
Eine Kultur ist ein kollektiver Organismus des (menschlichen) Geistes. Wie auf der Seite Spekulationen über die Zukunft ausgeführt, ist eine zukunftsfähige Kultur noch nicht gefunden worden. Die Kultur in der wir leben, ist ein Spiegelbild menschliches Verhaltens. Ein Verhalten, dass durch die Turbulenzen und Zielkonflikte der noch nicht bewältigten Übergangsphase (der Erblast der Evolution) vom hochentwickelten Säugetier zum Wesen des Geistes und der Vernunft geprägt ist.
Wir stellen immer wieder kopfschüttelnd diesen oder jenen Zustand in unserer Gesellschaft an den Pranger, müssen uns aber selbst auf unsere Mitwirkung hin prüfen. Anzunehmen, dass dies ja die Anderen seien und man selbst gar nichts dagegen tun könne ist bequem, trotzdem aber ein weit verbreiteter Irrtum.

Also Vorsicht bei der Kritik an raffgierigen Vorständen, schließlich hatten wir noch nie die Gelegenheit, uns einige Millionen in die Tasche zu stecken, die uns nicht gehören.

Hier soll nur ein zur Überschrift dieser Seite passendes Beispiel aus dem letzten Jahr geschildert werden. Wie an anderer Stelle ausgeführt, liegt die Ursache nicht bei den berichterstattenden Medien, denn diese berichten nur das, was die Auflagen und Einschaltquoten fördert.
Das Unglück von Eschede hat uns alle betroffen gemacht.
100 Menschen aus unserer Mitte starben sehr plötzlich, es hätte auch uns treffen können. Die Ursachen wurden erforscht, damit durch die richtigen Maßnahmen schnellstmöglich eine Wiederholung verhindert werden kann. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung und der Politiker, Verbände, usw.
In Deutschland kommen zur Zeit alle 5 Tage, jahraus, jahrein, 100 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Genau so unverhofft und gnadenlos. Jedes Jahr 75 mal so viel wie in Eschede. Wo bleibt die öffentliche Anteilnahme, wo die Trauerfeiern und wo die Maßnahmen  der Verantwortlichen?  Das sind in diesem Fall die Politiker und die Verbände, usw. selbst und nicht die Bundesbahn. Diese werden aber nicht müde, gegen ein Alkoholverbot oder gegen jegliche Eindämmung der Raserei zu plädieren. Denn dies mache ja nachgewiesenermaßen nur einen geringen Teil der Verkehrsopfer aus. Aber nur 5% (die Experten beziffern den alkoholbedingten Anteil wesentlich höher) sind schon vier mal Eschede! Jedes Jahr!

Hier die amtlichen Daten des Jahres 1999: 7.749 Verkehrstote, 521.000 Verletzte und 2,4 Millionen  registrierte Unfälle.

Ein weiteres Beispiel könnte folgendes sein:
Die Gesamtanzahl der Verkehrstoten ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, nur der Anteil der Kinder daran steigt weiter an.  Fällt Ihnen etwas auf, wenn man den Umgang mit dem Thema Schutz des ungeborenen Lebens dagegenstellt?

Kennen Sie die Scheinheiligen in unserer Gesellschaft?

Die Kirche(n) werden angesichts sinkender Mitgliederzahlen nicht müde, auf den Verlust für die Gesellschaft hinzuweisen, sei doch die Kirche Trägerin von Moral und Ethik. Das ist absurd, wenn man an die Opfer christlichen Glaubens (externe Adresse) denkt. (Die Bibel - und zwar nicht nur das Alte, sondern auch das Neue Testament - ist in zentralen Teilen ein gewalttätig-inhumanes Buch, als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet. - Franz Buggle, Psychologe, geb. 1933). Moral und Ethik sind nicht nur in jedem Menschen präsent, (Ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt. - Faust), sondern in anderen Kulturen und Religionen weit mehr vorhanden und praktiziert als im Christentum. Positive Elemente unserer Moralvorstellungen sind zweifellos im Christentum auch vorhanden. Mit dieser Sicht der Dinge befasst sich Ursula Neumann in: Macht Religion(sunterricht) die Menschen besser? (s. Literaturverzeichnis). Prof. Dr. Hubertus Mynarek: Zur Problematik der "einen christlichen Ethik"(s. Literaturverzeichnis) hält es für absurd, von einer christlichen Ethik zu sprechen. Nach einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Christentums ist man auch geneigt, den Begriff christlich mit dem Begriff gewaltbereit gleichzusetzen. Vor mehr als hundert Jahren hat sich Friedrich Nietzsche mit diesem Thema befasst (christlich ist ...der Haß gegen die Andersdenkenden; der Wille zu verfolgen ... der Haß gegen den Geist ... ). Friedrich Nietzsche: Der Antichrist. Nachgelassene Schriften (August 1888-Anfang Januar 1889) Fluch auf das Christenthum. (s. Projekt Gutenberg)

Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche wird auch bei www.kirchenopfer.de (externe Adresse) gefordert.

Aber Gott sei Dank haben wir auch Politiker mit klarem Verstand, die die Dinge mit einfachen Worten auf den Punkt bringen: Blüm, Norbert, (CDU), Bundesarbeitsminister, sagte 1998 (öffentlich!):

Ein frommer Muslim in der Moschee ist mir lieber als ein besoffener Atheist im Freudenhaus.<<<

Er wird wohl wissen, wovon er spricht.


Aber es gibt nicht nur Scheinheilige, es gibt auch (aus der Konsequenz ihres Handelns) gemeingefährliche Wirrköpfe die in einigen politischen Parteien, in den Amtsstuben und sogar als Richter zu finden sind. Das wäre weiter nicht schlimm, wo sollen sie auch hin, in der freien Wirtschaft sind sie nicht zu gebrauchen. Schlimm ist nur, dass sie auch Entscheidungen treffen. Die Entscheidung z.B., einem Polizistenmörder eine vorübergehende Krankheit zu bescheinigen und diesen freizusprechen. Oder einen mehrfachen Mörder zum Opfer zu machen, nur weil ein Polizist schneller schießen konnte. Oder Gewaltverbrecher, die bei ihren Aktionen umkamen zu Märtyrern werden zu lassen. Oder bedauernswerte Gewaltverbrecher aus Ost- Südost- Europa mit dem Hinweis auf angebliche Foltergefahr nicht auszuweisen, damit sie bei uns weiter Geiseln foltern können (Geiselnahme ist auch Folter!). Auch dieses unerfreuliche Thema könnte noch seitenlang behandelt werden, es handelt sich leider nicht um Einzelfälle.
Wo bleiben die Lichterketten, die demonstrativen Aufmärsche für ermordete Ordnungshüter?

These: Auch ein geistiger Organismus (eine Kultur, eine Gesellschaft) kann von Krankheiten befallen werden.

Politische Mandate werden mehr und mehr zur Durchsetzung persönlicher Interessen angestrebt und genutzt. Persönliche Feigheit, Missgunst und Habgier rangieren vor dem Allgmeinwohl. Und das nicht nur im Europaparlament, nicht nur bei unseren Ministern und Abgeordneten, vor allem auch in den Gemeindeverwaltungen.


Wir legen uns die Moral so zurecht, wie wir sie brauchen. Auch hier unterstützt uns das Gehirn - durch Verdrängungsmechanismen - in der Erhaltung des Seelenfriedens.
Mit diesem psychologischen Immunsystem befasst sich ein Artikel der Tagespresse.


Akt: 19.06.2001

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