Esoterische Weltanschauungen

Zwischen den Naturwissenschaften und den Religionen breiten sich esoterische Weltanschauungen aus. Esoterik ist Ersatzreligion mit Anspruch auf eine höhere Wahrheit. Man versucht, typische Elemente aus den religiösen Vorstellungen wissenschaftlich zu erklären, d. h. man erhebt den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit für meist langatmige und simple pseudowissenschaftliche Erklärungen mit versuchten Analogieschlüssen.
Sehr beliebt ist die Verwendung schillernder Begriffe, wie Plasma, Aura, Energie, Schwingungen, Astralleib,  feinstofflich, kosmisches Bewusstsein, usw., die nur selten definiert werden. Die Handschrift ist meistens unverkennbar. Sie stammt aus dem Paradies der Esoteriker und Sektierer, daher sieht man sich auch mit Begriffen aus der englischen Sprache konfrontiert, z.B. Channeling oder Rebirthing. Auch Elemente aus der fernöstlichen Glaubenswelt sind durch entsprechende Begriffe vertreten: Chakra, Karma, Yin und Yang.
Esoteriker fürchten die Naturwissenschaften wie Pech und Schwefel. Im Gegensatz zu den Kreationisten werden die Naturwissenschaften aber nicht zum Feindbild kultiviert, sie werden dort, wo sie nicht zum Bild passen, einfach ignoriert.
Esoterische Weltanschauungen haben eine starke Glaubenskomponente. Lieblingsthemen sind die Gesundheit, Wiedergeburt, Astrologie, Meditation, und das Unerforschte schlechthin. Esoteriker wählen den Weg nach innen, um die Welt zu erklären, Wunschdenken ist ein wesentliches Leitmotiv.
Der von Ludwig Feuerbach  beschriebene

in der Fantasie befriedigte Glückseligkeitstrieb des Menschen
tritt deutlich sichtbar zu Tage.
Die Branche buhmt. Esoterische Erleuchtung ist manchmal nicht ganz billig, weil unter dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit das neue Wissen "studiert" werden muss. Man kauft also Bücher und besucht Kurse. Und dann gehört man so richtig dazu. Man ist mit seinesgleichen zusammen.
Gibt es etwas Schöneres?
Hier zeigen sich wieder Parallelen zwischen der biologischen und der kulturellen Evolution: Bei den Säugetieren lässt sich beobachten, dass die Zugehörigkeut zu einer Gruppe bzw. zu einer Spezies durch Merkmale (z.B. das Muster im Fell oder Geruchsmarken) gekennzeichnet wird. Mitglieder einer kulturellen Gruppe zeigen dies ebenfalls durch äusserliche Merkmale, wie z.B. die Kopfbedeckung, die Frisur oder den bereits beschriebenen Ring durch die Nase. Sehr beliebt sind auch geheime Zeichen. Man sucht seinesgleichen und zieht die Grenze nach aussen.

Glaube kann den Weg zu sich selbst öffnen. Dabei ist es ziemlich egal, an was man glaubt, welchen Weg man geht. Insofern erfüllt auch ein esoterisches Weltbild seinen Zweck und man sollte die Esoteriker nicht belächeln, auch wenn die Inhalte der Lehren manchmal sehr wunderbar sind. (Aber auch nicht wunderbarer als die der Religionen). Mir sind ausschliesslich friedliche esoterische Anschauungen bekannt geworden, was sich von manchen Religionen positiv abhebt.

Auch bei den Esoterikern ist die ganze Bandbreite von liberal bis fundamentalistisch vertreten. Die Fundamentalisten werden von Aussenstehenden häufig als Spinner betrachtet. Sie geben auch dann nicht auf, wenn das Unerklärliche geklärt ist (wie z. B. die Kornkreis-Wunder).
Am liberalen Ende der Skala kann ein Übergang zu philosophischen Betrachtungsweisen festgestellt werden, die, nüchtern betrachtet, eher von Gefühlsduselei(das ist nicht abwertend gemeint) als von rationalen Denkansätzen dominiert werden.

Übrigens: Märchen faszinieren mich bis heute.

Der Jahresumsatz der Branche liegt bei 15 Milliarden DM, Tendenz steigend (Stand: 1999).

Mit Engeln scheint das Geschäft zur Zeit besonders zu florieren,  denn fast jeder dritte Deutsche glaubt an Engel, jeder fünfte ist schon einem solchen Lichtwesen begegnet (DIE WELT vom 11.12.2000).
Wer sich mit den esoterischen Anschauungen befasst, kann viel über menschliches Verhalten (also auch über sich selbst) lernen.

Wer sich damit befassen möchte, kann über die Seite von   ==>   Sabine (externe Adresse)
zu vielen einschlägigen Seiten finden - oder mit Norns spielen. Zum wissenschaftlichen Hintergrund der Norns s. auch Thomas S. Ray im Kapitel:  Mögliche Lösungen.


Akt: 11.12.2000
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