Spitzen-Empfangsgerät mit UKW-Tasten und Hochleistungs- Stereo- Gegentaktverstärker

Grundig-Stereo-Steuergerät 6199

Immer mehr erkennen wirkliche Stereo- Liebhaber, dass sich eine ideale Schallverteilung am besten mit getrennt angeordneten Lautsprechern erreichen lässt. Wünscht man zugleich eine bequeme Bedienung, so kommt man ganz von selbst zu einer Lösung, wie sie das Grundig-Steuergerät 6199 Stereo in Verbindung mit zwei Raumklangboxen II verkörpert. Das Steuergerät (Bild 1) lässt sich bequem in Nähe der Sitzgruppe aufstellen, während die Raumklangboxen an der akustisch günstigsten Stelle des Raumes ihren Platz bekommen. Dabei können besonders auch alle individuellen Wünsche berücksichtigt werden, z. B. in die Wand eingebaute Lautsprecher usw.

Der Stereo-Verstärker mit zwei Gegentakt- Endstufen
Um hohe Ansprüche an Ausgangsleistung bei minimalem Klirrfaktor zu erfüllen, wurde der stereo-Verstärker mit zwei 10-W-Gegentakt-Endstufen aufgebaut. Das entsprechende Steuergerät des Vorjahres (Typ 8099 Stereo) benutzte vier Endröhren vom Typ EL 95. In der Weiterentwicklung wurden nun zwei der neuen Hochleistungs- Doppelendpentoden ELL 80 herangezogen. Die technischen Daten dieser Röhren sind weitgehend mit denen der EL 95 identisch.
Aufbautechnisch ergeben sich natürlich bei Stereoverstärkern, zumal wenn diese mit Rundfunkteilen räumlich zusammengefasst sind, Vorteile.

Die Spitzenleistung der Gegentakt-Endstufen beträgt je 10 W, die Dauerleistung je 8,5 W. Um auch bei höherer Endleistung den Klirrfaktor gering zu halten, arbeiten die Endröhren mit einer zusätzlichen festen Gittervorspannung. Diese wird durch Gleichrichten einer Heizspannung gewonnen. Die Ausgangsübertrager sind mit verschachtelten Wicklungen aufgebaut und weisen einen bis etwa 50 000 Hz linearen Frequenzgang auf. Um alle Grundig-Lautsprecher (Einzelsysteme oder Boxen) sowie auch Fremdfabrikate  verwenden  zu  können, wurde die Ausgangs-Anpassung auf 5 Ohm festgelegt.

Bild x zeigt die Schaltung der Raumklang-Box II mit der Frequenzweiche. Der Tiefton- Lautsprecher (27 cm Durchmesser, in Schaumstoft aufgehängte Rundmembrane) wird über eine 800 mH- Eisendrossel gespeist. Der Hochtonlautsprecher ist über einen 20-mF-Kondensator angeschlossen. (Für Sonderanpassungen, z. B. parallelschaltungen von Tieftonlautsprechern, ist eine 3 Ohm- Anzapfung am Ausgangsübertrager vorhanden.)

Die aus der Verstärker-Schaltung ersichtlichen starken Gegenkopplungen, von den Sekundärseiten der Ausgangsübertrager auf die Kathoden der zweiten Nf- Vorstufen machen die dynamische Ausgangsimpedanz  sehr  niederohmig (rund 0,7 Ohm). Dadurch ist die Lautsprecher-Anpassung nicht kritisch. Selbst wenn das Steuergerät im Leerlauf, also ohne Lautsprecher, in Betrieb genommen wird, erhöht sich die Ausgangsspannung nur um 1 dB (10%) gegenüber dem richtigen Abschluss durch Lautsprecher. Drosseln in den Gegenkopplungsleitungen sorgen dafür, dass Hf-Störungen, die u. U. die Lautsprecherleitungen aufnehmen können, nicht in den Nf-Verstärker eingeschleppt werden. Dem gleichen Zweck dienen auch die 47-KOhmVorwiderstände vor den zweiten Nf-Vorstufen.

Die Vorstufen arbeiten ohne Gitterstrom, so dass die Lautstärke-Potentiometer rauschfrei bleiben. Die Phasenumkehrstufen in Katodynschaltung  weisen  relativ  niedrige Anoden- und Katodenwiderstände (33 kOhm) auf. Hierdurch wird gewährleistet, dass auch im Grenzbereich der höchsten Übertragungsfrequenzen (100 kHz) die Gegenkopplung einwandfrei und phasenrichtig arbeitet. In den Gitterleitungen derjenigen Endröhren, die mit der Katode der Phasenumkehrstufen verbunden sind, liegen 15 KOhm- Vorwiderstände. Diese sorgen für eine Symmetrie der Aussteuerung und gleichen den niedrigen dynamischen Ausgangswiderstand der Katodenstufe aus;  (die übrigen Vorwiderstände haben den üblichen Wert von 1 kOhm.

Der Stereo-Balanceregler liegt zwischen den Katoden der zweiten Nf-Vorröhren. Er ist so bemessen, daá bei einer Regelung von extrem links zu extrem rechts die Gesamtleistung immer 1 bleibt.
Der Tandem-Lautstärkeregler ist mit je drei Abgriffen versehen, die für einen logarithmischen Verlauf der Regelkurve und gleichzeitig für einen gehörrichtigen Frequenzgang sorgen. Die Funktion der Bassregler ist so, dass sich die Anstiegskurve parallel verschiebt, was physiologisch günstig ist.

Um eine originalgetreue Übertragung des Kurvenverlaufs der höheren Tonfrequenzen, insbesondere die in diesem Bereich sehr wichtigen impulsartigen Spannungsspitzen, zu gewährleisten, weisen die Koppelkondensatoren Werte von 10 nF bzw. 4,7 nF auf. Damit wird gleichzeitig auch das "Zustopfen" der Röhren vermieden.

Um Klirrfaktorwerte unter 1 % zu erhalten, wurden die Nf-Eingangsstufe stark spannungs- und stromgegengekoppelt. Am Nf-Eingang liegen zwei Normbuchsen für Stereo-Plattenspieler und Stereo-Tonbandgerät, so dass Mono- und Stereo-Plattenspie1er sowie Tonbandgeräte aller Art benutzt werden können.

Der Hf-Teil mit UKW-Stations-Drucktasten
Ein besonderes Merkmal des Steuergerätes 6199 sind die Stations-Drucktasten.
Durch einfachen Tastendruck lassen sich sieben beliebig vorher eingestellte Sender wählen, davon fünf Sender im UKW-Bereich. Die Grundeinstellung geschieht nicht mit Hilfe schwer zugänglicher Schrauben, sondern mit dem normalen Abstimmknopf. Die üblicherweise eingescheltete automatische UKW-Schartabstimmung lässt sich während das Hand- Abstimmvorganges außer Betrieb setzen.

Stationstasten sind im UKW-Bereich sehr willkommen. Hierdurch wird es möglich, mühelos und schnell verschiedene Programme zu wählen. Bekanntlich arbeiten gerade im UKW- Bereich sehr viele Sender mit dem gleichen Programm. Sender mit anderen Programmen lassen sich oft nur mühsam aus der Vielzahl der Orts- und Bezirkssender heraussuchen. Diese Unannehmuchkeit lässt sich durch die UKW-Stationstasten vermeiden. Die Abstimmung des UKW-Teils erfolgt induktiv. Für die UKW- Stations-Drucktasten wurde ein mechanisches System entwickelt, das im Prinzip äußerst einfach ist und wie folgt arbeitet:

Beim Drücken einer Stationstaste werden zuerst die Eisenkerne der Variometer in die Endstellung gezogen. Von dieser Endstellung aus geht der Schieber, der mit den Variometer-Eisenkernen verbunden ist, wieder zurück auf einen Anschlag, der durch Betätigung des Handabstimmknoptes  in eine bestimmte, dem gewünschten Sender entsprechende Stellung gebracht worden ist. Jedem Anschlagstift ist über eine Getriebemechanik ein eigener Skalenzeiger zugeordnet, so dass die jeweils vorgenommene Einstellung jederzeit auf der Skala ablesbar ist. Erst wenn die zugeordnete Drucktaste betätigt wurde, kann eine Neueinstellung des Anschlags erfolgen, die sofort an der zugehörigen Skala ablesbar ist. Die Einkupplung für diese Handabstimmung geschieht ähnlich wie beim bekannten Duplex-Antrieb. Im Steuergerät 6199 sind es allerdings sieben solcher "Duplex-Antriebe". Eine unbeabsichtigte Verstellung von Sendern der nichtgedrückten Tasten ist bei diesem Prinzip ausgeschlossen. Die Wiederkehrgenauigkeit  des  UKW-Drucktasten- Stationswählers ist infolge der hohen mechanischen Präzision des Aggregats sehr gut.
Der Rückschlag des Schiebers gegen den einstellbaren Anschlagbolzen wird z. B. durch eine Feder abgefangen, so dass eine Materialveränderung an den für die Genauigkeit wichtigen Stellen vermieden wird. Das UKW-Hf-Aggregat arbeitet  Röhren EC 92, dadurch ergibt sich ein sauberer störstrahlungasicherer Aufbau. Die Nachstimm-Automatik arbeitet mit einer Diode OA 70.
Der Zf-Teil ist mit drei steilen Röhren bestückt (EF 89, EBF 89, EF 80), die eine hohe Empfindlichkeit gewährleisten. Der Ratiodetektor arbeitet mit der Röhre EAA 91. Eine Triode EC 92 dient zur Störunterdrückung im Nt-Teil. Sie wirkt als veränderlicher  Kondensator  des  Deemphasis-Gliedes. Bei geringen Feldstärken, als kleiner Steuer-Gleidispannung, nimmt die dynamische Kapazität der stark gegengekoppelten Röhre zu und wirkt als Tonblende für die dann etwa hervortretenden Drosselstörungen.

Beim AM-Empfang lässt sich die Zf-Bandbreite von Hand kontinuierlich verändern. Die Einstellung wirkt auf zwei Bandfilter.
Empfangsteil und Verstärker sind auf einem gemeinsamen Chassis nach angeordnet.

FUNKSCHAU 1960 / Heft 23


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